Urlaub in Simbabwe und bei den Victoriafällen

Vicfalls

Vicfalls

Nach drei Monaten Arbeitsroutine im OVC-Sozialarbeits-Büro stand mal wieder eine Urlaubsreise an. Zusammen mit den Schulferien hier, habe ich für 16.-27. April 2012 den Besuch eines Schulfreundes in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe, geplant. Tawanda hatte ich während meiner Schulzeit 2001-2003 am United World College in Hongkong kennen gelernt. Damals hat er schon mit seinen Tanzvorführungen beeindruckt. Zur Zeit arbeitet er für eine Tanzgruppe in Harare und sie bereiten zwei Auftritte beim Harare International Festival of the Arts (HIFA) vor. Er plant im Herbst für seine Doktorarbeit in die USA zu ziehen. Glücklicherweise hat die Kommunikation mit ihm und die Vorbereitung meiner Reise gut geklappt. Da die Busabfahrt von morgens früh auf nachmittags verlegt wurde, habe ich kurzerhand in einen anderen Bus gewechselt. Naja, an so was habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Nach einer unbeschwerlichen Busfahrt hat mich Tawanda am Busbahnhof abgeholt. Die Woche über habe ich u.a. die Stadt erkundet und Tawanda’s Familie kennen gelernt.

Harare City

Harare City

Die Innenstadt von Harare hat mich durch seine Modernität und Sauberkeit überrascht. Ich hatte mehr Ähnlichkeit mit Lusaka erwartet. Dazu wurde mir erzählt, dass Harare zur Kolonialzeit Haupstadt der gemeinsamen Föderation von Rhodesien und Njassaland war. war. Deshalb wurde wohl mehr darin investiert. Es wurde aber auch erwähnt, dass es in der Vergangenheit mal vergleichbar verschmutzt und z.T. ärmlicher war. Erst durch intensive Investitionen und umstrittene Aufräum und Gebäudeabbruchkampagnen in den letzten Jahren, gewann es seinen heutigen Stand. Mit Tawanda habe ich u.a. ein Theaterstück in einem alternativen Theatre in the Park angeschaut. Eine Neuinterpretation von Shakespeare’s Othello.

Die Eltern von Tawanda wohnen im Stadtteil Greencroft. Das sehr schöne große Grundstück wurde vom Vater gewählt, da er hinter dem Haus Anbaufläche für Mais u.a. Gemüsesorten haben wollte. Neben diesen hält er auch einige Hasen bzw. Kaninchen, die regelmäßig auf dem Küchentisch landen. Etwas außerhalb der Stadt hat er auch eine Farm mit Kühen und Ziegen, obwohl er hauptberuflich eigentlich im Versicherungsbereich arbeitet. Tawanda’s kleine Schwester ist momentan am United World College in Canada. Es war sehr interessant, mit ihnen eingehende Gespräche über Gott, die Welt, interkulturelles Zusammenleben und anderes zu führen.

Nach einer Woche in Harare, hieß es für mich die Reise wieder Richtung Sambia anzutreten. Jedoch hatte ich überlegt, nicht auf dem direkten Weg, sondern über die Victoriafälle nach „Hause“ zu fahren. Ratschlägen folgend erwarb ich mein Ticket für einen komfortablen Direkt-Bus im 5-Sterne-Rainbow-Hotel. Nach den Lebensverhältnissen, die ich sonst gewohnt war und vor allem dem Umständen meines Freiwilligendienstes, war dies nun ein krasser Gegensatz. Natürlich kam ich mir in dem Hotel „underdressed“ vor; aber ich war froh, mal diese Welt zu betreten. Währenddessen grübelte ich darüber, was ich wohl in meinem Leben ändern müsste, um solche Verhältnisse als Normalität darin zu integrieren… :-)

Nach der Ankunft beim Rainbow-Hotel in der simbabwischen Stadt Victoriafalls musste ich mich jedoch erstmal auf den Weg ins nächste „Backpacker-Hostel“ machen, wo mich eine ausgelassene multikulti Backpacker-Party-Clique empfang… darunter auch ein junger deutscher „Kampfsport- Begeisterter“, mit dem ich in interessante Gespräche kam und noch ein paar Tipps für die Reise erhielt.

Am nächsten Morgen entschloss ich mich dazu, selbständig die bekannten Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Im Hostel wurde mir versichert, dass ich zu dem alten Baobab-Baum alleine zu Fuß gehen könne. Nur von da aus zu dem Victoriafällen sollte ich nicht weiter ohne Begleitung durch den Nationalpark gehen, wegen den wilden Tieren dort, u.a. Elefanten, Büffel, Krokodile und Affen…

Wie ich schon gewarnt wurde, sprachen mich auf dem Weg dahin ein paar junge Einheimische an, die Kunsthandwerk, Schmuck, Marihuana, u.a. verkaufen wollten. Trotz meinen Bemühungen, ihnen mein Desinteresse deutlich zu machen, blieb einer von ihnen energisch an mir dran und verwickelte mich in ein Gespräch. Gott sei Dank. Wir kamen schnell vom Thema des Handels weg und als ich an der Einfahrt in den Park auf einem offiziellen Schild las, dass der Zugang ohne „Guide“ bzw. “Wildnisführer“ nicht gestattet ist, entschied ich mich zu dem Kompromiss, das Angebot dieses jungen Händlers anzunehmen, mich ein Stück zu begleiten. Sein Künstlername ist DJ Marco, da er neben Steinverarbeitung für Kunsthandwerk auch Musik macht. Er erzählte mir, dass er in diesem Ort aufgewachsen ist und mit der Umgebung vertraut ist. Natürlich müsse man vor den Elefanten und vor allem den Büffeln in Acht sein, aber es sei trotzdem sicher, hier entlang zu gehen… ähm… Was nun? Wieso erzählen mir die Leute im Hostel und dieser junge Mann, ich könne selbständig hier entlanggehen, wobei auf den Schildern deutlich vor den wilden Tieren gewarnt und eine Durchwanderung ohne Wildnisführer als verboten deklariert wird??? Natürlich wollte ich mich weder dem Gesetz noch meinem Überlebenswillen widersetzen… aber wie auch immer, entschied ich mich dazu, im Vertrauen auf den lieben Gott :-) mich in Begleitung von DJ Marco „Schritt für Schritt“ in dieses unbekannte Terrain zu begeben…

Warnung

Warnung

Dass es hier im und (in gewissem Maße auch am) Sambesi-Fluss von Krokodilen wimmelt, ist wahrscheinlich allgemein bekannt. Nach einem kleinen Spaziergang erzählte mir DJ Marco furchtlos, dass er trotzdem jeden Morgen in dem Fluss ein Bad nimmt. Das Wasser sei so schön erfrischend. Ich hoffe, er wird auch weiterhin vor unangenehmen Begegnungen mit den wilden Tieren geschützt.

Am großen Baobabbaum

Am großen Baobabbaum

Der bekannte große Baobab-Baum ist wahrhaftig gigantisch. Sein Sprössling durchbrach vor ca. 1000-1500 Jahren aus dem Erdreich die Oberfläche in den Himmel. Unter gütiger Fürsorge der Sonne und wertvoller Nährung durch den Regen ist er beachtlich zur heutigen Gestalt, Fülle und Blüte angewachsen, wie er heute bewundert wird. Wie viele Elefanten und Büffel wohl auf dem kleinen Baobab-Baum herum getrampelt sind? Wie viele überlegt haben, ihn aufzufressen? Was der Baum in seinem Leben wohl alles ausgestanden hat? Er hat eine Zeitspanne miterlebt, die für uns nur aus Geschichtsbüchern ansatzweise nachvollziehbar ist. Von einer Epoche, wo hier wohl noch ausschließlich die alten afrikanischen Stammeskulturen vorherrschten, über die koloniale Eroberung, die womöglich in seinem Schatten stattfand bis in die heutige Zeit, wo neben ihm Pickup-Trucks fahren und über seinen Wipfeln Flugzeuge hinwegfliegen… Gelobt sei der Schöpfer.

Endlich- am Ziel der Reise angekommen!

Niklas an den Victoriafällen

Niklas an den Victoriafällen

Gebührender Respekt vor diesem Weltwunder ist auf jeden Fall angemessen. Schon in früheren Zeiten war diese Gegend den Stämmen als heilig bekannt- bewohnt von heiligen Geistern, Stätte von „Regentänzen“,…

Heute sind diese gigantischen Wasserfälle zu einem der wohl berühmtesten Touristenziele in diesem Teil der Erde geworden. Einer nach dem nächsten beschreitet andachtsvoll die Pfade gegenüber den Fällen, um Fotos zu machen und die Natur zu bestaunen. Schon im Vorhinein wurde ich davor gewarnt, dass man beim Besichtigen der Fälle gehörig nass werden kann. Dass es sich dabei, vor allem auf der sambischen Seite der Fälle um Regengüsse handelt, die bei weitem eine kräftige Dusche übersteigen, hatte ich mir nicht vorgestellt. Ein älterer Herr im Hostel, der gerade von den Fällen kam, erzählte er hätte erstmal seine Geldscheine trocknen müssen…

Durchnässt bei den Victoriafällen

Durchnässt bei den Victoriafällen

Gnädiger Weise spontan von einem ebenfalls völlig durchnässten polnischen katholischen Priester aufgenommen… und die „Entbindung“ ging völlig problemlos :-) … zu meinem Erstaunen ist der Inhalt meiner Tasche nicht nass geworden.

Ein Thema, dass schon in dem Reiseführer anklang, den ich vor dem Urlaub konsultierte, war, ob wohl die sambische oder die simbabwische Seite die schönere Sicht der Fälle gewährt… Interessanter Weise gingen hier die Meinungen völlig auseinander. Scheinbar beharrten SambianerInnen darauf, dass ihre Seite die schönste Perspektive ermögliche und es sich nicht lohnen würde, die Grenze nach Simbabwe zu überqueren, um das Geschehnis aus anderem Blickwinkel zu betrachten. Auf der anderen Seite wurde mir ähnliches beteuert. Naja, nachdem ich nun beide Perspektiven einnehmen konnte, würde ich sagen, dass sie beide lohnenswert sind- jeweils etwas anders, aber nicht absolut besser oder schlechter… Auch wenn verständlicherweise die meisten Touristen aufgrund der Visakosten auf einer Seite der Grenze bleiben, hält dieser Hahnenkampf aber scheinbar die beiden Länder auf politischer Ebene nicht davon ab, in Sachen Tourismus eng zusammen zu arbeiten... Das gemeinsame Abhalten der Welttourismus-Konferenz der Vereinte Nationen Welt Tourismus Organisation (UNWTO) ist für nächstes Jahr in Victoriafalls geplant.

Zwischendurch habe ich in Livingstone einen Reptilien-Zoo besichtigt. Neben dem Erfahren von zahlreichen Fakten rund um Krokodile und Schlangen, konnte man die Tiere in ihren Gehegen und Terrarien beobachten. Unter den zahlreichen Tieren waren auch einige sogenannte „Men-Eater“, die in ländlichen Dörfern bereits mehrere Menschen ermordet und gefressen hatten, bevor man sie einfing und in den Zoo brachte. Die Krokodile waren die meiste Zeit als wir sie sahen absolut unbeweglich, lagen in der Sonne oder im Wasser. Bewegungen hat man lediglich im Zeitlupentempo beobachten können. Jedoch als der Zoo-Führer zu Vorführungszwecken ein Stück Fleisch in ein Gehege warf, kamen ruck zuck alle möglichen Krokodile aus der Umgebung und dem Wasser (ich hatte vorher nicht geahnt, wie viele Krokodile sich unter der Wasseroberfläche befanden) dazu geschwommen und gekrochen… Neben den Vorführungsfütterungen werden die Krokodile etwa einmal die Woche mit totem Fleisch gefüttert.

Krokodil-Zoo

Krokodil-Zoo

Wusstet ihr, dass Krokodile…

keine Zungen haben?

ca. 2 Jahre ohne Nahrung leben können?

ca. 2-3 Std. unter Wasser bleiben können?

mehrere (Hornhaut?) Schichten über den Augen haben, wodurch sie aus dem Wasser das Ufer und z.B. vorbeigehende Tiere und Menschen sehen können?

auf dem Rücken eine Art Knochenpanzer haben, der sogar Gewehrkugeln abwehrt?

eng verwandt mit den Vögeln sind?

zu 99% im ersten Jahr nach dem Schlüpfen aus dem Ei von anderen Tieren oder den erwachsenen Krokodilen gefressen werden?

In ein paar Schlangenkäfigen war gerade Fütterung mit lebendigen Fröschen vorbei. Mir wurde erzählt, dass diese Schlangen die Frösche nur wahrnehmen können, wenn diese sich bewegen. Wenn diese still in einer Ecke hockten, schienen sich die Schlangen nicht um sie zu kümmern. Sobald sie aber anfingen sich zu bewegen, wurden die Schlangen auf sie aufmerksam. Dennoch schien die Geschwindigkeit, mit der die Schlangen sich ihrer Beute näherten unheimlich langsam…

Eine Faszination für diese Spezies, die von uns Säugetieren relativ weit entfernt sind, kann ich nicht leugnen. Im Endeffekt bin ich aber froh, dass mir diese Tiere hinter Zäunen und Glas und nicht kurz vorher am Sambesi-Fluss begegnet sind…

In Livingstone traf ich noch einen ehemaligen Mitarbeiter unser Arbeitsorganisation in Bwafwano, der kurz vorher von Lusaka nach Livingstone umgezogen war. Schön, neben den vielen Backpackern und Touristen, die man sonst in den Hostels trifft, mal mit einem Einheimischen hier zusammen zu sein. Ansonsten verbrachte ich noch etwas Zeit am Pool des Backpacker-Hostels, bevor ich einen Bus wieder zurück nach Lusaka nahm. Gott sei Dank. Dort bin ich wohlbehalten wieder angekommen, um den „Daheim“-gebliebenen (sowohl hier in Sambia, als auch über das Internet) von meinen Erlebnisse mit Fotos und Geschichten zu erzählen.


International Women’s Day und Youth Day

Bwafwano Youth Day- Moderatoren

In den letzten Tagen hatten wir hier in Sambia gleich zwei Feiertage- den International Women’s Day am Donnerstag, 8. März und den International Youth Day am Montag, 12. März. Am Freitag hätte dazu ein beweglicher Ferientag gepasst, wie man es aus Deutschland kennt. So was gibt es hier aber nicht. Nichtsdestotrotz war aber eh nicht so viel los am Freitag. Selbst meine NachhilfeschülerInnen kamen am Samstag nicht zur wöchentlichen Extra-Lesson, wahrscheinlich wegen den Feiertagen.

Zum Women’s Day gab es in unser Organisation kein besonderes Ereignis. Arbeitsfreien Tag genießen hieß wohl das Motto. Wobei es in der Innenstadt wohl einen großen Umzug gab. In den TV-Nachrichten hat man davon mitbekommen. Außerdem wurde ausgiebig über bestimmte gesellschaftliche Probleme diskutiert, wie z.B. sexuelle Vergewaltigung (von Minderjährigen) und welche Initiativen es gibt um diese zu überwinden.

Ziemlich spontan hat ein Mitarbeiter unser Organisation Bwafwano zum Jugendtag ein Festprogramm mit Jugendlichen organisiert. Als er ungefähr eine Woche vorher mit seinen Ideen kam, habe ich nicht unbedingt erwartet, dass die Umsetzung gut klappen würde. Erstaunlicher Weise und zur Freude aller Beteiligten hat er es aber mithilfe von ein paar anderen Mitarbeitern geschafft, eine relativ große Gruppe SchülerInnen, die in unserem Programm gesponsort werden, zu mobilisieren. Die vorwiegend Zehn- bis ElftklässlerInnen haben nach zwei Proben ein beeindruckendes Programm auf die Bühne gebracht- mit viel Musik, Gesang, Tanz, Drama, Gedichten, Motivations-Gespräch, u.a.. Ich persönlich war kaum an der Vorbereitung beteiligt. Es war aber ermutigend, die SchülerInnen so engagiert und talentiert in diesem Projekt zu erleben. Performance im Allgemeinen schien mir einigen dieser Jugendlichen wahrhaftig im Blut zu sein, so natürlich begeistert gaben sie sich vor dem Publikum.

Nach afrikanischer Art, begann das Programm erst etwa zwei Stunden nach geplanter Anfangszeit. Bis zu diesem Zeitpunkt waren auch kaum ZuschauerInnen gekommen und ich hatte Sorge, dass es ein Reinfall werden könnte- so dass die SchülerInnen das Programm nur für sich selber vorführen müssten. Als jedoch die einleitenden Worte der ModeratorInnen (siehe obiges Bild) kamen- und durch die Lautsprecher jegliche Leute von den rundherum liegenden Wohnhäusern und dem Markt aufgerufen wurden, zur Performance zu kommen, ließen sich doch einige vor allem junge ZuschauerInnen blicken. Das Programm lief bis auf einen plötzlichen Stromausfall sehr gut durch und machte allen Beteiligten Spaß. Am Ende konnte ich mich sogar auch nicht um eine kleine Tanzperformance drücken. Am Rande mit anderen Mitarbeitern sitzend wurden wir energisch auf die Bühne gebeten. Die Vorführung blieb aber relativ kurz- und schnell war die Bühne so voll mit tanzenden Leuten, dass man sich nicht mehr fürchten musste, sich vor dem Publikum zu blamieren.

Dance Performance by young boys

Ein paar junge Schüler kamen nach einiger Zeit, in der sie vor der Bühne ihre feschen Tanzschritte geübt hatten, doch noch auf die Bühne. Klasse, wie viel Spaß und Selbstbewusstsein sie beim Tanzen hatten.

Gruppenfoto Bwafwano Youth DayWer findet den weißen Mann? Abschlussfoto der Performance-Crew mit OrganisatorInnen und anderen.

Wenn die Mittel zur Reparatur fehlen....

Dieses zusammen mit einem ähnlichen Auto steht so auf dem Gelände unser Organisation. Auf meine Nachfrage, was es mit diesen Wagen auf sich habe, wurde mir kurz ungefähr folgendes geantwortet: „Das Projekt in dem diese zwei Autos gesponsort wurden ist ausgelaufen. Darum können sie nicht repariert werden.“ no further comment…


Journey to Malawi and Tanzania

Besuch bei Chris, einem Schulfreund in Malawi

Besuch bei Chris, einem Schulfreund in Malawi

An dem Li Po Chun United World College of Hong Kong haben wir von 2001- 2002 zusammen gelebt. Das Wiedertreffen war eine große Freude.

Strand in Dar-Es-Salaam, Tansania

Endlich am Strand in Dar-Es-Salaam. Zur Erfrischung Kokosnuss-Milch direkt aus der Kokosnuss und Baden in den Wellen des Indischen Ozeans. Jedoch wurde dieser paradisische Eindruck etwas ernüchtert, als man einiges an Abfall und Algen im Wasser entdeckte. Außerdem wurde mir versichert, dass in diesem Wasser Haie schwimmen- ab einer Tiefe, in der man nicht mehr stehen kann. Einen weiteren Schock bekam ich, als ich auf der Rückfahrt in einer Zeitung einen Artikel über das Fehlen von modernen WC-Anlagen in weiten Küstenteilen bei Dar-Es-Salaam las. Es wurde darauf hingewiesen, dass bis vor kurzem keinerlei moderne Toilettenanlagen in diesen Gegenden (vor allem ländlichen Gebieten, aber auch direkt bei Dar-Es-Salaam) benutzt wurden. Zwar hat es schon eine gewisse zeitlang Toiletten gegeben. Diese wurden aber von den Einheimischen nicht benutzt. Sie waren lediglich für die Touristen, die schon an solche gewöhnt waren. Stattdessen wurde das Meer für die Entrichtungen benutzt. Aufgrund der erheblichen gesundheitlichen Schäden und Umweltschäden gibt es nun Programme zur Eingewöhnung und Einführung von modern(er)en WCs.

VIA-Freiwilligenprojekt- Waisenheim in Dar-Es-Salaam

VIA-Freiwilligenprojekt- Waisenheim in Dar-Es-Salaam

In Dar-Es-Salaam haben wir andere Freiwillige von VIA e.V. in ihrem Projekt, einem Waisenheim besucht. Die Verhältnisse waren ziemlich einfach. Interessant fand ich die Mischung von islamischer und christlicher Kultur in Tanzania. Es gibt dort ca. 30- 40 % Muslime und 30- 40 % Christen. Jedoch erlebte ich dieses kulturelle Nebeneinander auch als befremdend- so wird z.B. die Musik des Nachtclubs, die bis in die Morgenstunden spielt, von den Gebetsrufen der Moscheen abgelöst. In wie fern da auch z.T. die gleichen Personen dabei sind, bezweifle ich- aber wer weiß?!

Gigantische Bäume in Tansania

Gigantische Bäume in Tansania

Diese beeindruckenden Bäume haben wir beim Besuch der historischen Stadt Bagamoyo gesehen.

“In den Jahren 1888 bis 1891 war Bagamoyo Hauptstadt von Deutsch-Ostafrika, ehe der Sitz der Zentralverwaltung aufgrund des tieferen Hafens nach Dar es Salaam verlegt wurde. Bagamoyo blieb Sitz einer Bezirksverwaltung. Die deutsche Zeit Bagamoyos endete 1916 nach dem Einmarsch britischer Truppen im Zuge des Ersten Weltkrieges. (Wikipedia-Artikel)”

Als wir unter diesen Bäumen standen wussten wir noch nicht, dass in den Zweigen nicht weit über uns eine Riesenspinne (mit Beinen ca. so groß wie meine Hand) saß. Meine Fotos dieser faszinierenden aber furchterregenden Kreatur sind aber leider nicht sehr deutlich geworden. An diesem Ort gab es verschiedene alte Gebäude, die wohl während der Kolonialzeit errichtet worden waren. Die meisten waren aber ziemlich verfallen.


Frohe Weihnachten!

Nachdem ich eine Weile nicht geschrieben habe, melde ich mich mal wieder hier in meinem Blog zu Wort. Die Schulferien sind jetzt schon eine Weile im Gange und Weihnachten haben wir schön verbracht. Wir haben mit unser Gastfamilie ein nettes Mittagessen gehabt. Weihnachtsstimmung wie wir das sonst aus dem winterlichen Deutschland kennen ist das sicher nicht. In mir kam etwas Heimweh auf, zumal ich in Deutschland Onkel geworden bin. Meine Schwester Lilli hat mit ihrem Freund Oli einen Sohn Jakob zur Welt gebracht. Hallelujah! Sie sind gesund und glücklich! Möge Gott sie reichlich segnen! Somit bin ich die Tage geistig viel zu Hause bei meiner Familie. Aber Bilder und Online-Gespräche sind auch ein Weg, um in Kontakt zu bleiben, wenn man so weit von einander entfernt ist.

In den bisherigen Ferien habe ich unter anderem einmal mit einem sambischen Bekannten einen kleinen Ausflug an den Rand von Lusaka gemacht. Es war schön, mal etwas von der Natur hier kennen zu lernen, wo ich ansonsten hauptsächlich in der Stadt gewesen bin.

Natur am Rande Lusakas

Natur am Rande Lusakas

Was es hier in unserem Stadtteil an Natur gibt, ist leider allzuoft durch Müll verunstaltet. Jedoch machen offizielle Werbesendungen der Regierung im sambischen Fernsehen Hoffnung, in denen ein Regierungsprogramm vorgestellt wird, das für bessere Sauberkeit, Hygiene, Abfallentsorgung und umweltfreundliche Lösungen eintritt.

Abfallentsorgung am Straßenrand

Abfallentsorgung am Straßenrand

Für den Rest der Ferienzeit überlege ich, einen Freund in Malawi zu besuchen. Jedoch ist das noch nicht sicher. Ansonsten ist ein Zwischenseminar in Tansania geplant, bei dem verschiedene Freiwillige unser Organisation VIA e.V. zusammenkommen, um sich über bisherige Erfahrungen auszutauschen und den Weltwärts-Dienst zu reflektieren. Darauf freuen wir uns.

Hier noch eine kleine Aufnahme aus der Innenstadt von Lusaka, die mir persönlich gefällt. Wenn man sie vergrößert erkennt man, dass es eine kleine medizinische Praxis eines traditionellen Heilers ist. Unter einer großen Autobrücke in der Mitte von Lusaka.

Traditioneller Doktor in Lusaka

Traditioneller Doktor in Lusaka


Wilde Natur im friedliebenden Sambia

Erstaunlicher Weise hatte ich kaum einen Sambianer getroffen, der selber schon mal in einem Nationalpark gewesen war, als ich mich um die Organisation unserer Reise kümmern wollte. Tja, das ist wohl eher Gebiet der Touristen. Auch die meisten Unterkünfte der “Safari-Lodges”, werden von “Muzungus/ Weißen Männern” betrieben. Nun war aber die Schwierigkeit, dass wir keine US$700 und auch keine US$300 für dieses verlängerte Wochenende im Nationalpark ausgeben konnten, obwohl mich eine komfortable Unterkunft mit Swimming Pool und exellenter Lage gereizt hat. Die erschwinglicheren Guest-Houses für Rucksack-Touristen und einheimische Besucher sind jedoch kaum im Internet vertreten. Bis zum Vortag unseres geplanten Aufbruchs habe ich mir versucht einen Überblick über die Lage zu verschaffen… Und Gott sei’s getrommelt, dann haben wir uns doch noch um-entschieden, den berühmteren South Luangwa Nationalpark zu besuchen… Wie es dann anders auch nicht mehr möglich war, buchten wir lediglich unsere Busplätze und vertrauten auf spontane Übernachtungsmöglichkeiten am Rande des Nationalparks (die es in diesem touristisch gut erschlossenen Gebiet reichlich geben sollte)…

… und los ging’s!

Landschaft in Sambia auf dem Weg zum Nationalpark

Landschaft in Sambia auf dem Weg zum Nationalpark

Der Reisebus war sehr modern und angenehm. Die Landschaft, die man aus dem Fenster betrachten konnte war durchaus eindrucksvoll, wenn auch zum Teil etwas eintönig. Erstaunt hatte mich, so viele einfache Strohhütten zu sehen, die wohl auf dem Lande hier sehr üblich sind. Also solche, die man klischeehaft mit BuschVölkern oder so in Verbindung bringt.

Endlich in der nächst größeren Stadt nahe des Nationalparks angekommen, mussten wir “nur noch” einen Minibus an den Rande des Parks nehmen. Dass das z.T. länger dauern kann, als einem gesagt wird, haben wir nun ausgiebig erfahren. Anfangs wurde noch auf weitere Passagiere gewartet,… dann das Gepäck oben aufgeladen… und irgendwann aus einem unersichtlichen Grund, der Bus gewechselt,… vor allem die Enge in diesen Bussen ist für mich eine große Herausforderung und hat mich immer wieder Nerven und Überwindung gekostet (auch hier in regelmäßigen Besuchen der Innenstadt von Lusaka). Aber was soll’s…? Ich bin ja auch nach Sambia gekommen, um neue, fremde Erfahrungen zu machen, über meinen Schatten zu springen usw.. Soll wohl so sein :-) !

Langes Warten, dass der Minibus zum Nationalpark abfährt

Langes Warten, dass der Minibus zum Nationalpark abfährt

Die Minibus-Fahrt dauerte mit Wartezeit um einiges länger als gedacht, so dass wir erst im Dunkeln am Zielort Mfuwe ankamen. Glücklicherweise wurden wir direkt an einem Gästehaus rausgelassen, in dem wir nur noch die Zimmer beziehen mussten. Dieser Ort am Rande des Nationalparks wird scheinbar hauptsächlich von sambischen bzw. afrikanischen Touristen besucht, die erstaunlicher Weise, noch nicht mal unbedingt, in den Nationalpark gehen. Dem ist man wohl überdrüssig. Der Ort ist in einer Art Pufferzone zwischen normalen Sambia, in dem es normalerweise keine großen wilden Tiere geben soll und in dem Nationalpark, der als Naturschutzzone jegliche in Europa uns nur als Zootiere bekannten Tierarten beherbergt. Die Begrenzung des Parks ist zu dieser Seite hin scheinbar nur der Luangwa-Fluss. Wie uns erzählt wurde, kommt es regelmäßig vor, dass Elefanten, die nahegelegenen Dörfer besuchen. Kleine Affen (Baboons und Velvet Monkeys) springen viele hier umher.

"Dünn-" vor "Dick-häuter" :-)

"Dünn-" vor "Dick-häuter" :-)

Im Großen und Ganzen haben wir viel Glück gehabt, eine günstige und angenehme Unterkunft zu bekommen und an einem Tag zwei Safari-Touren einer Lodge mitmachen zu können. Diese waren natürlich der Highlight des Ausflugs.

Leopard im Baum

Leopard im Baum

Diese wilden Tiere so nah aus offenem Wagen heraus zu erkunden war klasse. Unser Guide war ein sehr vertrauenserweckender kompetenter Sambianer, der regelmäßig über die Natur und Tiere, die wir sahen, erzählte.

Mit "offenem Wagen" durch den Park

Mit "offenem Wagen" durch den Park

Unter den Tieren, die wir zu Gesicht bekamen, waren: Zebras, Elefanten, Warzenschweine, eine Menge Antilopen, ein Leopard, eine Löwin, ein paar Giraffen (leider nur in der Nacht und in weiter Entfernung), einige Geier (beim Auffressen eines erlegten Gnus), andere Vögel (z.T. sehr große), Krokodile (leider nur von weiter Entfernung), eine Menge Nilpferde (im Fluss), Affen (die mich in der Tat an menschliche Gemeinschaften erinnert haben), Rinder und wahrscheinlich noch viele andere, die mir nicht mehr so stark in Erinnerung geblieben sind.

Zebras

Zebras

Der Ausflug war es auf jeden Fall wert. Zu meinem Erstaunen, war ich aber auch ziemlich bald ernüchtert. Tierwelten eben. Da hat man als Mensch nur begrenzt “Lebens-Spielraum”. Unsere menschlichen Lebenswelten, moderne Zivilisation usw. sind da schon noch mal um einiges anders.

Außerdem…. gab es ja auch keine Möglichkeiten in direkte Interaktion mit diesen Tieren zu gehen, wie man es von (um einiges kleineren) Haustieren kennt. Fantasien von Mogli im Dschungelbuch und Tarzan machen da natürlich noch mal einen anderen Reiz aus, wenn ich mir vorstelle zusammen mit den Affen durch die Bäume zu springen oder auf dem Rücken der Elefanten oder Löwen durch den Park zu reiten (als gute Freunde selbstverständlich!) … :-)

Zurückgekehrt in der “menschlichen Zivilisation” bin ich doch froh, dass wir von diesen wilden Tieren getrennt leben. Die “wilde Rasselbande” hier in der Schule reicht mir erstmal :-) !

Liebe Grüße!

Euer,

Niklas


South Luangwa National Park

Vollgefressene Löwin bei Ruhepause im Nationalpark

Vollgefressene Löwin bei Ruhepause im Nationalpark


Überraschung zum 27. Geburtstag :-)

Vielen herzlichen Dank an Mareike und Jana!

Vielen herzlichen Dank an Mareike und Jana!


Teacher’s Day 2011

Teacher's Day 2011 "Teachers for Gender Equality" in Lusaka

Teacher's Day 2011 "Teachers for Gender Equality" in Lusaka

Teachers for Gender Equality

Teachers for Gender Equality

Pickup-Fahrt in der Stadt

Pickup-Fahrt in der Stadt


Schulunterricht

“School starts at 7 hours (7 Uhr morgens)… So pupils: Come at 7 hours. Don’t be late…”

Normaler Unterrichtsbeginn ist jedoch scheinbar erst um 7:30 Uhr. Nur einige SchülerInnen kamen bisher pünktlich um 7 Uhr, fegten den Klassenraum, bis langsam der Lehrer eintrudelte. Dann musste man jedoch noch auf den Schulleiter und damit den Zugang zu Unterrichtsmaterialien warten. Dann irgendwann versammelten sich alle (wahrscheinlich nur Montag früh) zum Morgenapell vor dem Schulgebäude. Ordentlich in einer Reihe nach Klassen sortiert. Wer zuerst da war begann damit, folgenden Apell laut auszurufen:

“One, two, three, four,(bis 10), YOU ARE LATE! One, two, three,…, YOU ARE LATE! usw.”

- Nun kamen die restlichen SchülerInnen in die Reihen gerannt- während man klarstellte, dass diese nun zu spät waren. Es folgte ein weiterer formeller Morgengruß und das Vater unser. Anfangs waren diese Formalien und ständig sich wiederholenden Ausrufe ungewohnt. Mittlerweile scheinen sie mir aber in diesem Kontext verständlich und in Ordnung. Als man endlich mit der gesamten Klasse in den Klassenraum ging, konnte man irgendwann doch mit dem Unterricht loslegen…

Puh. So heiß und staubig in dem Raum, die Fenster teilweise kaputt, so dass sie zwar geöffnet werden können aber dann durch den Wind immer wieder auf und zu klappern. Das schien aber bisher wenige wirklich zu stören. Oder man macht die Fenster dann zu und kämpft mit der stickigen und heißen Luft…

Ich bin Assistent in zwei 4. Klassen hier. Diese haben täglich Mo-Do jeweils 3 Zeitstunden Unterricht (ohne Pause- das ist durchaus herausfordernd)! Am Freitag ist Sporttag, wo scheinbar viele Fußball spielen. Das habe ich aber noch nicht mitbekommen. Es gibt einen ausgebildeten Lehrer, der den Unterricht die meiste Zeit leitet- zum Teil auf Nyanja, zum Teil auf Englisch- und auch z.T. auch auf beiden Sprachen gleichzeitig :-) … Der Unterricht an sich kam mir von Anfang an erstaunlich geordnet, gut vorbereitet und kompetent durchgeführt vor. “Respekt” dachte ich. Da hatte ich in diesem Kontext wirklich was anderes erwartet. Es sind ca. 30 SchülerInnen in einer Klasse, wobei die letzten Tage regelmäßig noch Neuzugänge kamen. Der Platz in einem Klassenraum ist sehr eng und es gibt kaum genug heile Tische und Bänke. Die Lernbedingungen sind sicher nicht optimal. Aber es ist hervorzuheben, dass den  können die Kinder hier überhaupt in eine Schule gehen. Gott sei Dank. Die meisten SchülerInnen haben einen oder zwei Elternteile verloren. Zum Teil können sich die Eltern auch nicht um sie kümmern, wenn sie HIV/ Aids haben oder aus anderen Gründen. Der Unterrichtsbesuch hier ist für die Schüler kostenlos, was es erst möglich macht, dass die Kinder hier her kommen können.

Mittags wird auch (jedoch nicht an allen Tagen) eine warme Mahlzeit für die SchülerInnen angeboten.

Danke an alle, die Interesse an meinem Freiwilligendienst haben und meinen Blog verfolgen. Ich hoffe, meine Berichte geben Euch einen Eindruck meines Lebens hier.

Liebe Grüße aus Sambia!


Unsere Wohnung

Home Sweet Home

Home Sweet Home